SKUALLE

Leer – Voll / Voll – Leer die Darstellung einer Situation.
Ein Kühlschrank – einmal geöffnet, einmal geschlossen. Ein einfacher Gegenstand, könnte man meinen. Oder nur sein Abbild.
Im Kupfertiefdruck, im feinen Spiel der Aquatinta-Schwärzen, beginnen die Dinge sich zu verschieben: Das Sichtbare behauptet Fülle, das Verborgene vielleicht Leere. Oder umgekehrt. Der offene, vollgestopfte Innenraum wirkt plötzlich unbestimmt – ein Durcheinander, das nichts erklärt. Der geschlossene Kühlschrank dagegen: still, verschlossen, aber voller Möglichkeiten.
Es ist diese Unsicherheit, die mich interessiert. Das, was wir zu sehen glauben. Das, was wir nicht sehen dürfen. Das, was wir hineinlesen, obwohl es nie da war.
Voll oder leer? Gegenwart oder Abwesenheit?
Vielleicht zeigt der Druck vor allem eines: dass jede Form nur ein Moment ist – und jede Deutung eine Behauptung.
Technik (Mezzotinto / Schabkunst)
Die Arbeit wurde mit einem klassischen Mezzotinto-Tiefdruckverfahren erstellt — einer Technik, die Dunkelheit erzeugt und daraus Licht hervorholt.
Eine Kupferplatte wird zunächst mit einem Wiegemesser vollständig aufgeraut.
Durch hunderte überkreuzte Bewegungen entsteht eine gleichmäßig raue Oberfläche, die – würde man sie so drucken – ein tiefes, samtiges Schwarz erzeugen würde.
Um Bild und Formen sichtbar zu machen, werden die aufgerichteten Kupfergrate kontrolliert zurückgeschabt und poliert:
Jede geglättete Stelle hält weniger Farbe, wird im Druck heller – bis hin zum blanken Kupfer, das reines Weiß ergibt.
Dieser Prozess ist umgekehrt zum klassischen Ätzverfahren:
Nicht die Tiefe erzeugt das Dunkel, sondern die unberührte Rauheit.
Licht entsteht allein durch das Entfernen, Glätten und Zähmen der Oberfläche.
In zahlreichen fein abgestuften Arbeitsgängen entwickelt sich so ein Spektrum weicher Übergänge – vom tiefsten Samtschwarz bis zum zarten Silbergrau.
Die Form entsteht durch Subtraktion: ein Bild, das sich aus der Dunkelheit herausarbeitet und durch das Wegnehmen sichtbar wird.
Diese Technik stammt aus dem frühen 16. Jahrhundert.