Leer – Voll

Leer – Voll / Voll – Leer die Darstellung einer Situation.
Ein Kühlschrank – einmal geöffnet, einmal geschlossen. Ein einfacher Gegenstand, könnte man meinen. Oder nur sein Abbild.
Im Kupfertiefdruck, im feinen Spiel der Aquatinta-Schwärzen, beginnen die Dinge sich zu verschieben: Das Sichtbare behauptet Fülle, das Verborgene vielleicht Leere. Oder umgekehrt. Der offene, vollgestopfte Innenraum wirkt plötzlich unbestimmt – ein Durcheinander, das nichts erklärt. Der geschlossene Kühlschrank dagegen: still, verschlossen, aber voller Möglichkeiten.
Es ist diese Unsicherheit, die mich interessiert. Das, was wir zu sehen glauben. Das, was wir nicht sehen dürfen. Das, was wir hineinlesen, obwohl es nie da war.
Voll oder leer? Gegenwart oder Abwesenheit?
Vielleicht zeigt der Druck vor allem eines: dass jede Form nur ein Moment ist – und jede Deutung eine Behauptung.
Technik (Aquatinta)
Die Arbeit wurde mit einem historischen Auatinta-/Tiefdruckverfahren erstellt:
- Eine Kupferplatte wird hochpoliert und mit feinem Kolophonium eingestäubt.
- Durch Erwärmen schmelzen die Staubpartikel an und erzeugen eine Berg–Tal-Struktur, die beim späteren Ätzprozess Farbtöne definiert.
- Bereiche, die hell bleiben sollen, werden mit Asphaltlack abgedeckt.
- Die Platte wird in Salpetersäure geätzt:
Je länger die Ätzung, desto tiefer die Furchen, desto dunkler der spätere Druck. - In bis zu 20 fein abgestuften Arbeitsgängen entstehen so differenzierte Graustufen vom hellsten Licht bis zum tiefsten Schwarz.
- Tiefe Strukturen halten mehr Farbe — sie sind das Ergebnis orchestrierter „Zerstörung“, aus der das Bild entsteht.
Diese Technik stammt aus dem 16. Jahrhundert und verbindet handwerkliche Präzision mit einem bewusst körperlichen Umgang mit Material, Widerstand und Zeit.