HG 85




HG 85 untersucht den Übergang von Darstellung zu Aktion, von Zerstörung zu Neubildung. Ausgangspunkt war eine von Hand gezeichnete Kupferplatte mit der Darstellung einer Handgranate — ein klassischer Tiefdruck, präzise ausgearbeitet und in mehreren Zuständen gedruckt.
In einem zweiten Schritt wurde diese originale Platte in Zusammenarbeit mit einem Sprengmeister real gesprengt. Die entstandenen Metallfragmente wurden sorgfältig gesammelt, wieder aufgefaltet und so weit zurückverformt, dass sie erneut druckfähig wurden. Aus zwei Kupferplatten — der ursprünglichen und ihren zerstörten Segmenten — entstanden drei Drucke:
Zeichnung – Zerstörung – Neubildung.
Jeder Abdruck zeigt einen anderen Zustand derselben Form: das Objekt, der Bruch, das Neue. Was zuerst eine Zeichnung war, wird zum Objekt, wird zerstört, wird rekonstruiert und kehrt als neue Bildgestalt zurück. Ein Triptychon des Wandels, in dem Gegenwart, Handlung und Zukunft ineinandergreifen.
Diese Arbeit ist kein Abbild von Gewalt, sondern eine Befragung ihrer Wirkung.
Ich bin überzeugter Pazifist — die Visualisierung dient nicht der Faszination, sondern der Distanz: Das ist keine Granate. Das ist ein Bild einer Granate. Und gerade dadurch wird sichtbar, wie aus Eingriff und Intervention etwas Neues entstehen kann.
Technik (Aquatinta)
Die Arbeit wurde mit einem historischen Auatinta-/Tiefdruckverfahren erstellt:
- Eine Kupferplatte wird hochpoliert und mit feinem Kolophonium eingestäubt.
- Durch Erwärmen schmelzen die Staubpartikel an und erzeugen eine Berg–Tal-Struktur, die beim späteren Ätzprozess Farbtöne definiert.
- Bereiche, die hell bleiben sollen, werden mit Asphaltlack abgedeckt.
- Die Platte wird in Salpetersäure geätzt:
Je länger die Ätzung, desto tiefer die Furchen, desto dunkler der spätere Druck. - In bis zu 20 fein abgestuften Arbeitsgängen entstehen so differenzierte Graustufen vom hellsten Licht bis zum tiefsten Schwarz.
- Tiefe Strukturen halten mehr Farbe — sie sind das Ergebnis orchestrierter „Zerstörung“, aus der das Bild entsteht.
Diese Technik stammt aus dem 16. Jahrhundert und verbindet handwerkliche Präzision mit einem bewusst körperlichen Umgang mit Material, Widerstand und Zeit.